Kakteen und ihre Alkaloide

Kakteen und ihre Alkaloide
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Kakteen und ihre Alkaloide

Der Peyotl-Kaktus (Lophophora williamsii) - Teil 1

Gastbeitrag von M. Eckardt von der deutschen Kakteen Gesellschaft e.V. 

 

Botanik:


Es handelt sich bei dieser Pflanze um einen kleinen, abgeflachten Kugelkaktus mit blaugrauer Epidermis, aus dem Norden Mexikos und angrenzenden Gebieten in Texas und New Mexico. Im Gegensatz zu vielen anderen Kakteen haben Peyote Pflanzen nur im frühesten Jugendstadium zarte Dornen, die später abgeworfen und nicht mehr nachgebildet werden. Dafür finden sich auf den Areolen älterer Exemplare kräftige Wollbüschel, die der Pflanze auch ihren Namen verliehen ([Peyotl] nach einem Wort der Nahuatl-Sprache, das soviel wie "Kokon-Seide" bedeutet) [1]. Die außerordentlich langsam wachsenden Gewächse besitzen eine kräftige Rübenwurzel, mit deren Hilfe sie sich bei anhaltender Trockenheit durch Schrumpfung in den Boden zurückziehen können, um so der sengenden Sonne zu entgehen. Die Kleinen Blüten erscheinen zentral im Scheitel und sind weiß,gelblich oder rosa. Ihnen folgen rote, längliche Beerenfrüchte, die denen der Gattung Mammillaria recht ähnlich sehen. Es sind verschiedene Formen dieser Kakteen bekannt (caespitosa, decipiens, diffusa, echinata, fricii, jourdaniana, koehresii, lutea, pentagona, pluricostata, texana und ziegleri), sie als Arten zu bezeichnen hat kaum Berechtigung [2].


Geschichte:


Der Gebrauch des Peyotl-Kaktus als rituelles Rausch- und Heilmittel in Religion und Volksmedizin dürfte mehrere tausend Jahre zurückreichen. Im Gebiet von Transpecos, Texas, wurden in archäologischen Zusammenhängen Peyote Buttons gefunden, die ca. 6000 Jahre alt sind (Boyd und Dering 1996: 259*, Frust 1996*).

Im nordöstlichen Mexiko wurden bei archäologischen Grabungen Peyote Reste entdeckt, die etwa 2500 bis 3000 Jahre alt sind (Adovasio und Fry 1976*; Schultes und Hofmann 1995: 132*).In Coahuila sind in einem Höhlengrab (810-1070 n. Chr.) Peyote Teile entdeckt worden, die noch Alkaloide enthielten (Bruhn et al. 1978). [3] Noch heute geben Ortsnamen Kunde davon, wo man diesen seltsamen Kaktus Gott sammelte: Peyotlan (der "Peyote-Platz") im Staate Nayarit, Peyote im Staate San luis Potosi und im Norden des Staates Coahuila in der Nähe der "Lomerias de Peyote", das Dorf San Jesus Peyote. Vielleicht geht diese merkwürdige Namensverbindung von Christus mit einem heidnischen Fetisch auf einen beliebten Trick der spanischen Priester zurück: den Einfluß der einheimischen Götzen dadurch wirkungslos zu machen, daß man sie kurzerhand mit der wichtigsten Gestalt des christlichen Glaubens identifizierte [4].  

 

Chemie:


Louis Lewin bewies Ende des neunzehnten Jahrhunderts als erster Forscher den Alkaloidgehalt dieser Kakteen. Eine potente Alkaloid Fraktion wurde von Ihm isoliert und Anhalonin getauft. Der psychoaktive Hauptwirkstoff des Peyotl-Kaktus wurde wenig später von Arthur Hefter isoliert und Mescalin genannt. 3,4,5- Trimethoxyphenethylamin gilt seither als erster, in Reinform gewonnener, psychotroper Naturstoff [3]. Die Pflanzen der Gattung Lophophora enthalten über 40 (aktuell über 50) verschiedene Alkaloide aus den Stoffgruppen der Beta-Phenylethylamine und Isoquinolin-Alkaloide. Mescalin (Halluzinogen), Nahalonin (reflexsteigernd), Pelotin (krampffördernd), Lophophorin (atemstimulierend). Weitere Bestandteile sind unter anderem Anhalonidin, Anhalamin, N-Methylmeskalin, N-Azetyl-Meskalin und O-Methylanhalonidin. Viele Komponenten tragen zur Peyote-Erfahrung bei, so daß es zwischen dieser und einer Meskalin-Erfahrung einen deutlichen Unterschied gibt. Doch ist Meskalin vielleicht die einzige dieser Komponenten, die wirklich halluzinogen ist. Meskalin hat bei gleichem Gewicht nur 1/3000 der Wirkkraft des LSD-25, obwohl die von ihm erzeugte Wirkung etwa gleich lang anhält [1].


Status und Pflege:


Analysen von in Europa gewachsenem Pflanzenmaterial sind zum aktuellen Zeitpunkt schwer zu finden. Der immer seltener werdende Kaktus fällt unter das Washingtoner Artenschutzabkommen (Deimel 1996: 24).[3] Extrakte oder getrocknete Pflanzenteile können als Betäubungsmittel gewertet werden und strafrechtliche Verfolgung nach sich ziehen. Wer Peyotl-Pflanzen in seiner Kakteensammlung pflegt sollte ihnen ein luftiges, voll mineralisches Substrat mit Lehmzusatz gönnen (pH 5,6-6,5) und tiefe Töpfe für Rübenwurzler verwenden.Gegossen werden die Pflanzen recht spärlich und vorsichtig über den Untersetzer. Die dicke Pfahlwurzel ist recht fäulnissanfällig, daher sollte das Substrat zwischen den Wassergaben vollständig abtrocknen. Die Überwinterung erfolgt Frostfrei bei 6-10*C und völlig trockenem Substrat. Eine moderat kühle Überwinterung ist auch dem Blütenansatz Förderlich[2]

Lebende Pflanzen und Saatgut der Gattung Lophophora dürfen gegenwärtig in Europa gehandelt und besessen werden.(Ausgeschlossen: "Für unsere Kunden in der Schweiz, den USA, den Niederlanden (!!) und anderen Ländern: Es liegt nicht an uns! Wir würden Ihnen schon Lophophora und Trichocereus als Samen oder Pflanzen zusenden. Nur leider haben die Behörden Ihres Heimatlandes etwas dagegen und beschlagnahmen derartige Sendungen ohne mit der Wimper zu zucken." [Zit. Kakteen-Haage Erfurt]").Dazu sei angemerkt, daß Kakteensammler im Allgemeinen ihre Pflanzen nicht essen, sondern bemüht sind Ihre Pfleglinge zur Blüte zu bringen und anschließend ökologisch korrekt aus selbst gezogenem Saatgut zu vermehren. Ein derartiges Maneuver beansprucht im Allgemeinen mehr als Zehn Jahre Zeit. Die Pflanzen erhalten bei uns auch nur ein Drittel der Lichtmenge Ihres Heimatstandortes was sicherlich Einfluss auf ihren Alkaloidgehalt hat. 

Quellenangaben

[1] Staffort P. (1977); Meskalin, Peyote und verwandte Kakteen (1980) Volksverlag,   Linden

[2] Haage W. (1981); Kakteen von A bis Z; Neumann Verlag

[3] Rätsch C. (1998); Ezyklopädie der psychoaktiven Pflanzen; AT Verlag;  Aarau/Schweiz

[4] Backeberg C. (1961) Wunderwelt Kakteen; Gustav Fischer Verlag; Jena

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